{"id":1362,"date":"2016-11-14T23:58:50","date_gmt":"2016-11-14T21:58:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.gafu.de\/?p=1362"},"modified":"2016-11-17T00:17:11","modified_gmt":"2016-11-16T22:17:11","slug":"akkuschrauber-reparieren-bruch-lagergehaeuse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.gafu.de\/?p=1362","title":{"rendered":"Akkuschrauber reparieren? Bruch Lagergeh\u00e4use"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe auf Youtube folgendes Video gesehen:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=gjtk2liJ0Gk\"><br \/>\n<img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"\/wp-content\/2016\/11\/makitaschraubervideo.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses Video beschreibt das Problem, wenn das Lager der Welle des Bohrfutters abgenutzt ist.<br \/>\nDa mein alter Makita-Akkuschrauber auch so ein Problem hat, und ich im Video bereits das Bronzegleitlager sehen konnte, wollte ich dieses nun austauschen. Vermutlich ist es ein einfaches Normteil, welches nur ausgepresst werden muss, um ein neues einzupressen.<br \/>\nDa das Lagermaterial deutlich weicher als die geh\u00e4rtete Stahlwelle ist, sollte das eine sehr deutliche Verbesserung bringen, da die Welle selbst kaum abgenutzt sein sollte.<\/p>\n<p>Also habe ich angefangen den Schrauber zu zerlegen, um dann festzustellen das erstmal das Bohrfutter runter muss. Das kenne ich schon, innen ist eine mit Schraubensicherung festgeklebte Linksgewindeschraube in eienr zentrischen Gewindebohrung der Welle, die das auf dem \u00e4u\u00dferen Rechtsgewinde aufgeschraubte Bohrfutter zu\u00e4tzlich arretiert.<br \/>\nAlso eine typische mechanische Verbindung wo man nur rangeht, wenn es gar nicht anders geht.<\/p>\n<p>Irgendwie habe ich es doch noch los bekommen, und dann den Motor vom Getriebe getrennt, das vordere Teil (Drehmomentversteller) abgeschraubt, und da war der Fehler verschwunden.<br \/>\nDie Welle wackelte nicht mehr.<\/p>\n<p>Also das Ding genauer angesehen. Offenbar hatte sich durch die Gewaltanwendung beim L\u00f6sen des Bohrfutters da irgendwas ge\u00e4ndert.<br \/>\nBeim genauen Hinsehen (bei mir ist das Teil schwarz) stellte sich heraus, das zwischen dem Getriebe und den beiden Lagern das Konstruktionsteil einmal ringsherum eingerissen war, und durch die ganze Aktion sich das Bruchst\u00fcck verdreht hatte und festklemmte, weshalb es nun nicht mehr wackelte.<\/p>\n<p>Na so ein Mist, das Lager war v\u00f6llig in Ordnung, der Halter dagegen gebrochen. Einer der tieferen St\u00fcrze von der Leiter muss wohl den Schaden verursacht haben.<\/p>\n<p>Das Teil selbst ist aus Polyamid mit Glasfaserverst\u00e4rkung.<br \/>\nMit was klebt man wohl sowas, fragte ich mich. Aber irgendwie ist kleben, nunja, an dieser Stelle, einfach zu leihw\u00e4ndig.<br \/>\nMan m\u00fcsste es verschwei\u00dfen. Verschwei\u00dfen wie man Plexiglas mit einem L\u00f6semittel kleben kann. Oder wie man ABS-Teile mit einer Pampe aus in Aceton aufgel\u00f6stem ABS zusammenf\u00fcgen kann.<br \/>\nDas dauert zwar einige Zeit bis es voll belastbar ist, aber ergibt nach dem zusammenf\u00fcgen ein Bauteil &#8222;aus einem Gu\u00df&#8220;, welches nachher keine Klebefuge mit einem Fremdmaterial besitzt.<\/p>\n<p>Ob es ein L\u00f6semittel f\u00fcr PA gibt, und noch dazu eines welches einen nicht umbringt oder total saugef\u00e4hrlich ist?<\/p>\n<p>Nun, f\u00fcr einige Dinge gibts spezialkleber. Selbst f\u00fcr PVC und PLA findet man Klebstoffe mit h\u00e4\u00dflichen L\u00f6semitteln die das Zeug verschwei\u00dfen. F\u00fcr PA habe ich nichts dergleichen gefunden. Wohl aber hinweise auf Ameisens\u00e4ure als Primer.<br \/>\nWeitere Recherche ergab, das sich PA in Ameisens\u00e4ure aufl\u00f6st.<\/p>\n<p>Das weckte nat\u00fcrlich meinen Wissensdurst.<br \/>\nSo muss man erst einmal feststellen, was Ameisens\u00e4ure denn so f\u00fcr ein Teufelszeug ist. Es ist stark \u00e4tzend, macht ganz h\u00e4\u00dfliche wunden wenn es auf dem Hautgewebe einwirken kann. Es verdampft \u00e4tzende S\u00e4ured\u00e4mpfe. Es stinkt stechend. Es kann explosionsf\u00e4hige Atmosph\u00e4ren erzeugen, allerdings sind die Explosionsgrenzen deutlich handhabungsfreundlicher als bei anderen brennbaren Gasen. <\/p>\n<p>Also eigentlich will man mit so kram nicht wirklich hantieren, aber wenn man entsprechende Vorkehrungen trifft und unter einem Abzug mit entsprechender Vorsicht damit umgeht, ist es handhabbar. Zumindest sind die D\u00e4mpfe schon mal kein Gift.<\/p>\n<p>Also versuch macht klug. Beh\u00e4lter aus PP\/PE sind offenbar resistent gegen den Stoff. Also habe ich eine Kleinmenge umgef\u00fcllt. Da keine passende Pipette zur Hand war, tat es auch eine Einwegspritze, haptisch scheint das ebenfalls PP\/PE zu sein. Erste \u00dcberraschung: Ja, der Spritzenk\u00f6rper schon, die schwarze Dichtung nicht. Die hat etwas ausgef\u00e4rbt. Den kurzen Moment war es aber tolerierbar.<\/p>\n<p>Au\u00dfer dem Beh\u00e4lter und dem L\u00f6semittel braucht es noch mehr, n\u00e4mlich etwas Kunststoff zum Aufl\u00f6sen.<br \/>\nAus Erfahrungen mit dem System ABS und Aceton wei\u00df ich, das die Einwirkdauer von aufgepinseltem L\u00f6semittel viel zu kurz ist, um die Oberfl\u00e4chen so vorzubereiten, das einfaches zusammenf\u00fcgen nach dem Auftragen eine tragf\u00e4hige Verbindung erzeugt.<br \/>\nViel besser ist es, erst etwas Polymer aufzul\u00f6sen und damit eine m\u00e4\u00dfig fl\u00fcssige L\u00f6sung herzustellen, die auf die F\u00fcgestelle aufgetragen wird. Danach muss man daf\u00fcr bis zum Ausgasen des L\u00f6semittels die Lage der Teile zueinander fixieren, um ein wiederabl\u00f6sen zu verhindern.<\/p>\n<p>Da sich dieses Konzept bereits bei schwierigen Bruchstellen bew\u00e4hrt hat, habe ich es auch hier angewandt.<br \/>\nAls Material muss dann nat\u00fcrlich etwas PA oder Nylon her. Nur was hat man denn so zur Hand, was aus Nylon besteht. Das erste was mir einfiel war Rasentrimmerschnur. Sp\u00e4ter bin ich dann noch auf eine weitere ergibige Quelle gesto\u00dfen: Die abgeknipsten Enden von Kabelbindern aus Nylon.<\/p>\n<p>Zur schnelleren Aufl\u00f6sung habe ich 10cm Faden in ca. 50 Fragmente zerschnitten und dann in die S\u00e4ure gelegt.<br \/>\nNun l\u00f6st sich das PA in der S\u00e4ure noch deutlich langsamer als ABS in Aceton, hier ist Geduld gefragt.<br \/>\nAlso in einer Viertelstunde ist da auf jeden Fall noch nichts zu erreichen.<\/p>\n<p>Irgendwann war es dann soweit, das ich eine L\u00f6sung in der passenden Konsistenz hergestellt hatte.<br \/>\nDer Spalt mit dem Bruch wurde zun\u00e4chst mit einem Pinsel direkt mit Ameisens\u00e4ure benetzt, die Kapillarwirkung tat das n\u00f6tige. Etwas bewegen um das L\u00f6semittel zu verteilen. Danach Auftragen des aufgel\u00f6sten Polymers auf den Spalt.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, nicht zu dicke Schichten aufzutragen, damit sich im aufgetragenen Material keine Blasen bilden. Mehrere d\u00fcnne Schichten nacheinander ist kein Problem.<br \/>\nUm die H\u00e4rtung zu beschleunigen habe ich vorsichtig mit etwas W\u00e4rme nachgeholfen:<br \/>\n<a href=\"\/wp-content\/2016\/11\/schrauber-lagerhalter.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/2016\/11\/schrauber-lagerhalter-600.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das blaue Material ist das aufgetragene Polyamid nach der Aush\u00e4rtung. Blau deshalb, weil des aufgel\u00f6ste PA blau gef\u00e4rbt war.<br \/>\nNach ein paar Tagen zur vollst\u00e4ndigen Durchh\u00e4rtung habe ich alles wieder zusammengesetzt. Wenn man eine nicht so stark belastete Verbindung herstellen\/reparieren m\u00f6chte, ist vermutlich das wiederholte Auftragen nicht wichtig. Ich wollte jedoch die F\u00fcgestelle noch durch aufbringen von zus\u00e4tzlichem Material verst\u00e4rken, da mein aufgebrachtes Material im Gegensatz zum Originalteil nicht Glasfaserverst\u00e4rkt und somit weniger belastbar ist.<\/p>\n<p>Das ist jetzt alles zwei Wochen her.<br \/>\nEinige male habe ich den Schrauber inzwischen benutzt zum bohren und schrauben, und bisher ist der Eindruck gut.<\/p>\n<p>Wirklich empfehlen kann ich dieses Verfahren nicht. Einerseits ist Ameisens\u00e4ure nicht so lustig, andererseits dauert es sehr lange bis das Teil wieder benutzbar ist, da man warten muss bis das komplette L\u00f6semittel langsam aus dem Material herausgewandert ist. So lange ist es auch nicht ungef\u00e4hrlich die Klebestelle zu ber\u00fchren.<\/p>\n<p>Es ist machbar, aber ob man das unbedingt will h\u00e4ngt wohl vom Wert des zu reparierenden Teils ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe auf Youtube folgendes Video gesehen: Dieses Video beschreibt das Problem, wenn das Lager der Welle des Bohrfutters abgenutzt ist. Da mein alter Makita-Akkuschrauber auch so ein Problem hat, und ich im Video bereits das Bronzegleitlager sehen konnte, wollte ich dieses nun austauschen. 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